22
Nov
2008

Spontan mitgepfiffen

Letztens war ich abends ganz spontan und mutig.
Eher zufällig ( gibt es Zufälle ?!) hatte ich auf einer Website einer Kirchengemeinde hier in der Nähe gesehen, dass es dort einen Blockflötenkreis gäbe.
Start in einer guten Stunde...

Also wurde (ausnahmsweise) nicht lang gegrübelt, sondern meine Flöten geschnappt, einmal tief ausgeatmet- und ab zum Treffpunkt.
Als ich zur Tür herein schaute und mich vorstellte, nebenst Anfrage, ob ich reinschnuppern dürfe, hatte ich das Gefühl, die Damen (allesamt 40 und aufwärts) würden jeden Moment aufspringen und Freudentänze machen darüber, dass endlich, endlich, endlich jemand Neues dazu stoßen würde. Eine der Damen gab sich als Leiterin zu erkennen und während ich fragte, in welcher Stimmlage man mich denn gebrauchen könne, rutschte eine der Damen mit der Bemerkung: "Ach, Sie können gleich mehrere Stimmen?? Das ist ja wunderbar !! Kommen Se gern zu mir !" zur Seite- und so wurde ich für die nachfolgenden 1,5 Stunden Altblockflötistin.
Es war zu spüren, dass die Leiterin vom Fach war.
Fast schon peinlichst genau wurden die Instrumente mit unterschiedlichsten Übungen aufeinander eingestimmt.
Da ich wusste, dass auch die eigene Atemintensivität, mit der man in sein Instrument bläst, Einfluss auf dessen Tonklarheit hat, fiel es mir manchmal ganz schön schwer, ruhig zu atmen und meine Anspannung hinter mir zu lassen.
Irgendwann dann folgten Übungsstücke unterschiedlicher Genre und Schwierigkeitsgrade. Da merkte ich schon, wie ungewohnt es war, in der Altebene zu spielen- zuvor war ich zumeist im Sopran eingesetzt gewesen. Immer wieder war ich versucht, in die erste Zeile zu springen.
Was mich auch sehr irritierte war die Raumaufteilung.
Zwar saßen wir schon in den jeweiligen Grüppchen zusammen, jedoch nicht etwa mit Standnotenständern- sondern welchen auf Tischen, die O-förmig angeordnet waren und ich mir teilweise fast vorkam wie in einer Konferenz- die Akkustik jedoch litt darunter sehr; der Raum schluckte sehr viel an Tonumfängen, so dass ich beim Zusammenspiel teilweise mehr als genau hinhören musste, wo die anderen Stimmen gerade spielen.
Zum Ende hin bedankte ich mich, dass ich dabei sein durfte und sprach ein Lob an die Leitung aus: dass man ihre Fachlichkeit spüren würde.
Leider sagte sie nicht viel- sie lächelte nur etwas scheu, kam zu mir und sagte, dass sie diese Fachlichkeit leider nicht umsonst an uns weitergeben könne. Sie sammle wöchentlich einen bestimmten Betrag von den Teilnehmern ein. Wenn dies für mich keine Probleme machen würde...und schwups entschwand sie. Genau wie alle anderen, bis auf zwei, mit denen ich smalltalkartig noch kurz plauschte.

Ob ich dort nochmal hin fahren werde, weiß ich noch nicht so genau.
Zum einen musste ich offen gesagt über den Entgelt-Betrag, den die Leiterin haben möchte, schon schlucken und empfinde ihn für knapp 1 bis 1,5 Std Gruppenarbeit sehr hoch.
Zum anderen empfand ich es als sehr schade, dass die Leitung mich hinterher nicht noch in Ruhe zur Seite genommen hat, um sich z.B. nach meiner Instrument-Erfahrung zu erkundigen oder sich überhaupt zu erkundigen, ob es mir gefallen habe. Fernab von sämtlicher musikalischer Professionalität- rein menschlich gesehen eine auf mich etwas desinteressiert wirkende Geste.
Zum dritten würde ich- streng genommen- mit dieser Gruppe für mich persönlich längerfristig mit meiner augenblicklichen Flötenpraxis nicht viel weiter kommen- und auch die Altersklasse der Damen ist nicht wirklich die, mit der ich versuche, in Kontakt zu kommen.
Nun ja, aber trotzdem eine interessante Erfahrung.


Mal sehn, wann die beiden wieder einmal so richtig zum Einsatz kommen. Hoffentlich bald !!!

Foto: © lady of romance, 22.11.2008
kipet (Gast) - 22. November, 20:34

hi lady,

toller schritt, spontan zu dieser flötenrunde zu gehen! schade nur, dass sie sich anschließend nicht mit dir auseinander gesetzt haben. hätte ich eigentlich auch erwartet. immerhin wollen sie ja mitglieder werben und die wirbt man nicht einfach mit einer session und verzupft sich anschließend nach hause.

aber vielleicht gibst du den damen noch mal eine chance?

alles liebe, kipet

lady of romance (Gast) - 24. November, 20:53

hey Kipet

Ja-- bereits mein Psychologielehrer damals sagte einmal:

"Der erste Eindruck ist meistens falsch".

ich denke, ich werde noch mal reinschauen...
Wortman (Gast) - 23. November, 12:32

glückwunsch zu diesem schritt. so fix mal eben dort hinzugehen hat deinem selbstbewusstsein bestimmt einen extra kick gegeben :)
GUT GEMACHT!!

verschiedene stimmen spielen? auf einer flöte? ich kenn mich da nicht aus... oder hast du mehrere flöten im gepäck gehabt?

wie hoch war denn der "beitrag"?
ich muss dir zustimmen: eine gute leitung hätte danach oder vorher erstmal ein kleines gespräch führen sollen. naja, manche halten sich da wohl für zu gut...

dreh doch den spieß um: anzeige in die zeitung von wegen "suche interessierte für zwanglosen flötenkreis" oder so ähnlich. dann kann man sich erstmal in einem café zwanglos treffen um zu gucken, wer wie wo was kann usw.

stimmt (Gast) - 24. November, 20:56

fürs (teils noch sehr angeknackste) Selbstbewusstsein war es ein guter Schritt...

Mit "verschiedene Stimmen" meinte ich,dass ich zwei unterschiedliche Flöten (ok, theoretisch eigentlich alle 4) beherrsche.

Der Beitrag betrug 4 € je Übungsstd- sprich im Monat 16 €.
Bei einer Gesamtspielzeit von knapp 1 Std...

Hey, die Idee mit der Anzeige finde ich super. Danke!
Ihaveadream (Gast) - 23. November, 12:51

Daß ein kirchlicher Flötenkreis Gebühren kostet, finde ich eigentlich schade. Allerdings müßten sie das dann aber auch überall, wo sie werben, beifügen.
Anderseits kann es ja auch sein, daß sie diesen einen Tag für dich zum reinschnuppern ansehen, und deshalb nicht weiter nachgeforscht haben bei dir. Die genaue Abstimmung würde dann vielleicht erfolgen, wenn du wiederkommst, und damit den Bediungungen zustimmst. Das läuft ja auch in manchen Sportvereinen so.
Jetzt kommt ja die Adventszeit, wo diese Musikgruppen mit Flöten besondere Auftritte haben. Vielleicht findest du ja etwas Passendes, wenn du Adventskonzerte besuchst in deiner Umgebung. Oder vielleicht schaffst du es auch, selbst so eine Gruppe zusammenzustellen, und zu leiten?
Ich wünsche dir, daß du bald findest,was du suchst. Liebe Grüße :-)

lady of romance (Gast) - 24. November, 21:00

ich habe

...ja schon einige Gemeinden kennen gelernt.
Und fast überall (besonders in der Landeskirche) war es so,dass der jeweilige Kantor/Kirchenmusiker/ Organist seinen Verdienst teils richtig "erbetteln" musste- indem er Konzerte gab mit Spendenkörbchen am Ausgang zugute der Kirchenmusik der Gemeinde :-(

Gerade die Bereiche sind es,die von Kirchens gern mit als Erstes gekürzt werden. Gleich danach folgt die Jugendarbeit.
Für mich ein Armutszeugnis.
Denn wie außer mit der Musik kann man Herzen berühren?
liebenswährt :-) (Gast) - 25. November, 07:13

Find ich voll mutig von dir, liebe Lady!
Vielleicht war die Leitung auch etwas unsicher? Manchmal erwische ich mich im Nachhinein auch, dass ich kurz angebunden war - nicht, weil ich am anderen nicht interessiert war, sondern weil ich selbst angespannt und unsicher war.
Liebe Grüße & weiterhin viel Mut für solche Spontan-Aktionen!