26
Jun
2008

Techn.-Premiere-Protokoll

Die Nacht zu besagten Dienstag war unfreiwillig kurz.
Immer wieder drängten sich hartnäckig in meine Gute-Nacht-Lektüre Fragen rund um den morgigen Ablauf ein:
Wer war das nochmal, der morgen dabei ist? Ist überhaupt jemand dabei oder setzen die Dich da gleich ganz allein hin á la *Sie machen des schon, gelle jung´Deern ?!* Und ob ich des überhaupts packe da ??........

Bis irgendwann doch das Sandmännchen kommt und mich ins Land der Träume entführt. Zu meiner Überraschung übrigens ohne jedliche Tonbandzeitungselemente sondern................. mhhh.. nee, das bleibt mein Geheimnis ;-)

Einige Stunden später weckt mich zuverlässig wie fast immer das Radio.
Während des Guten-Morgen-Tees blättere ich nochmals in meinen Notizen, übertrage die wichtigsten Short Cuts nochmal lesbar, gehe gedanklich den Aufbau der Software durch- und mache mich mit pochendem Herzen auf dem Weg zum Impro-Studio.
Dort angekommen werde ich überraschend ruhig.
Was machst Du Dir eigentlich so ins Hemd?! Du kannst des doch alles, Mensch! denke ich bei mir. Is ja schließlich nicht das erste Mal, dass ich hier bin...
Selbstbewusst öffne ich also die Tür zur Redaktion, begrüße die Anwesenden . Der eine Techniker, Herr *69* erblickt mich, strahlt - und teilt den Sprechern nochmals offiziell mit, dass ich heute die Technik "übernehme".
Und wieder denke ich:
Danke, so bekommt wenigstens gleich JEDER mit, wenn ich versagen sollte. Aber halt stop, das wird ja nicht geschehen, denn Madame Meinereiner kann des ja... Tschaaka...
Und so lächle ich und lasse meine Zuversicht erklingen:
"Na, aber Sie haben mich ja die letzten Male so gut eingearbeitet- das wird schon klappen..." Herr *69* schmunzelt und erwidert: "Na, das wollen wir mal sehn, wiie gut diese Einarbeitung denn war..."
Und so schreiten wir zum Aufnahmeraum.

Gemeinsam-oder eher primär ich unter Anweisungen á la- "Dieses Kabel muss hier rein und dieses..." bauen wir das Studio auf.
Hier merke ich dann doch, wie nervös ich bin.
Wenn mir jemand haargenau auf die Finger schaut- boah, das engt mich ein! Aber sowas von immens! Und Herr *69* besitzt auch so eine autoritäte Ausstrahlung, uff....
Und so schmunzle ich fast, als ich beinahe bereits am Öffnen des Laptops scheitere, weil ich den Mechanismus zum Aufklappen nicht finde (und das mir, die bis vor einigen Jahren selbst einen Laptop besaß!!) und mich wundere, dass die Mikros beim Testlauf nicht funktionierten- was sie auch nur können, wenn man den Aufnahmebefehl eingibt.... -klare Schusselfehlerchen!

Als ich dann allerdings am PC sitze, und ich den Dateipfad finde, mit dem wir arbeiten, werde ich spürbar ruhiger, ich atme erleichtert aus. Zeig ihnen, was in Dir steckt!
Herr*69*- übrigens ein sehr sensibler Herr- scheint dies zu spüren, erklärt mir noch schnell die Ablauforganisation der einzelnen Kapitel, klopft mir dann kumpelhaft auf die Schulter, zwinkert mir väterlich zu und sagt, er verdrücke sich erst einmal ein wenig zur Redaktion. "So kann man auch erst ma wieder etwas ruhiger werden...und Sie wissen ja, wie´s geht. haben Se sonst ja auch schon super gemacht..."
Kurzzeitig bin ich versucht, ihn dankeswerterweise zu umarmen- doch ich kann es mir gerade noch verkneifen- und glücklicherweise kommt gerade in dem Moment ein Sprecher um die Ecke, der mich da am PC sitzen sieht und sich verdutzt erkundigt:
"Ach, Sie sitzen heut hier?? Das is ja doll..." (Ich hatte mit ihm vor knapp 3 Wochen vertretungsweise als Sprecherin agiert)

Und so ging das Programm dann los:
Prgramm einrichten, Stimmproben, Mikro einstellen, Kanal öffnen- und "Test, Aufnahme-Jetzt !".
46 Min lang.
46 Min, in denen ich sehr erstaunt feststelle, wie sicher ich das Ganze schon koordiniere. Und mich irgendwann sogar traue, etwas aus meiner 1,5 Liter-Wasserflasche zu trinken, weil mein Kreislauf heut nicht so wirklich da ist. Kurz vor der "Halbzeit" kommt Herr *69* wieder rein und gemeinsam überprüfen wir die Aufnahmen nach Räuspern oder Ähnlichem.
Dann Kaffeepause.
Im Tiefflug eile ich aufs Klo- die Anspannung ließ meine Blase doch ganz schön leiden- und auch mein Magen beschwert sich mit Krämpfen.
So verzichte ich besser auf den Kaffee, den man mir mehrmals ("für den härtesten Job hier !") anbietet, nuckel an meiner Trinkbottel und lausche gespannt dem Plausch- rund um irgendwelche Krankheiten und Zahnerneuerungen. Da schmeckt der Keks, den ich mir gönne, doch gleich doppelt so gut...

Kurz darauf gehts weiter mit den zweiten 46 Minuten, die ich auch weitestgehend allein manage. Sogar einen Artikel, den ich versehentlich im falschen Kapitel aufgenommen habe (weil mir keiner gesagt hat, dass nun die nächste Rubrik dran kommt), kann ich ins richtige verschieben und nach kurzer Anleitung des Herrn *69*, der genau im richtigen Moment aus der Küche zurück kam, ein zweites Problemchen schnell lösen.
Trotzdem dauert die zweite Hälfte länger, denn heute scheint Fiesling "Frosch im Hals" unterwegs zu sein- die Sprecherinnen räuspern sich ohne Ende und mümmeln eine Lutschpastille nach der anderen.
So müssen viele Passagen wiederholt werden und das neu Aufsprechen zerrt an den Nerven der älteren Damen. Doch mit viel Geduld und Ruhe meistern wir auch diesen Holperstein.
Wenig später sind die Damen entlassen und ich überprüfe nochmals mit Herrn *69* den zweiten Teil- und schon rattert der PC die Daten auf die Festplatte und gleich darauf auf die CD, die an die Hauptredaktion in Holzminden geht.
Während des Brennens bauen wir ab und Herr*69* sagt lächelnd zu mir:
"Na, das hat doch schon sehr gut geklappt!"
Hmja, ich gestehe, da lief mir doch eine Gänsehaut über den Rücken- und strahlend fuhr ich gen Heim...
Freidenkerzone (Gast) - 26. Juni, 23:50

Klasse! Super gemacht. Freue mich mit Dir, dass Du Dich so schnell so gut eingearbeitet hast. Vielleicht ist die Arbeit bei der Tonbandzeitung ausbaufähig ???
Würde ich Dir wünschen. Scheint Dir viel Spaß zu machen und Du scheinst die Herausforderung zu brauchen (und zu genießen).

wortman (Gast) - 27. Juni, 12:15

wirst du jetzt berühmt ladyM? :) glückwunsch zum gelungenen einstieg. ich drück dir die daumen, dass du dort deinen weg machst. und wer weiß, vielleicht ist es mal das sprungbrett für etwas größeres ;-)

hamue (Gast) - 27. Juni, 12:36

Find ich Klasse, anscheinend ein Job, der dir liegt.

Wenn du dort Fuß gefasst hast, solltest du vielleicht mal überlegen (nach ca. 5-6 Monaten), ob du nicht mit deiner tollen Stimme (wie in deinen Aufnahmen erkennbar) im Bereich von Tonstudios/Hörbüchern - mit dann technischer Praxis einen klasse bezahlten Ganztags-Job finden kannst. (Kann ja mit Aushilfs-Jobs anfangen über Honorar-Jobs bis zur Vollbeschäftigung.